Geschehnisse aus dem Leben

Daher hier ein kurzer Überblick der Geschehnisse von einem Bewohner Vallakis:

Er richtete sich von seinem Schreibtisch auf. Dieser war über und über beladen mit Pergamenten, doch der Fortschritt seiner Nachforschungen blieb bislang aus. Ein Monat war er schon in dieser Stadt, doch er hatte das Gefühl, der Schwachstelle Strahds noch keinen Schritt näher gekommen zu sein. Er streckte sich und spürte das Alter tief in seinen Knochen. Wie lange war er nun schon in diesem Land, ein Jahr? Zwei vielleicht? Der eintönige Rhythmus der Leute und das immergleiche Wetter konnten einen einschläfern und aussaugen zugleich.

Doch nun passiert etwas. Eine Gruppe ist in die Lande gekommen und schnell munkeln alle die wildesten Geschichten über sie. Sie sollen ein verfluchtes Haus von Geistern geläutert haben, sie sollen die Druiden gestellt und den Menschen den Wein zurückgebracht haben und jetzt sollen sie auch noch eigenhändig Krezk vor den Berserkern gerettet haben. Er lächelte beim letzten Gedanken über die unsäglichen Übertreibungen des Bauernvolkes, als er sich den Teekessel vom Kamin nahm und sich eine Tasse einschenkte. Selbst der Tee schmeckte schal in diesem Land und auch die Wärme schien sein Innerstes kaum mehr zu erreichen.

Aber es muss auch etwas dran sein, der Wein ist wieder da und auch die Unruhe, die sie in Vallaki gestiftet haben, ist kaum zu leugnen. Der Baron ist selbst für seine Verhältnisse über die Maßen paranoid und hat einen offenen Konflikt mit den Martikovs angezettelt. Die Martikovs wollen die Kontrolle über die Stadt. Die Abenteurer haben vergifteten Wein gebracht, um die Kinder der Stadt zu töten. Es sind doch immer die gleichen perfiden, aber dummen Gerüchte, die in die Welt gesetzt werden.

Seit über einem Tag versteckte sich der Mann schon in seiner Kammer und wartete ab. Gedankenverloren öffnete er die Fensterläden einen Spalt breit und lugte hinaus. Die Straßen waren leer, doch am Himmel sah er einen Raben und er wusste sofort, dass es sich um den Druiden handeln musste. Sie waren also zurück und wie es ihre Art war, überschlugen sich die Ereignisse und er wusste kaum, was er von seinen Eindrücken halten sollte. Er hörte ein Horn vor dem Westtor, Kämpfe auf dem Südtor, dann einen jähen Schrei aus dem Westen und wieder einen nur knapp südlich von ihm selbst.

Zuletzt hörte er den erstickten Schrei, als irgendwo Izek Strazni starb. Sie haben es also mit dem Baron aufgenommen. Doch kann er ihnen trauen? Findet er in ihnen Verbündete gegen Strahd oder sind sie gar nur ein perfides Spiel, des Vampyrs sein Vertrauen zu erlangen, um ihn aus der Verdeckung zu locken? Er war alt, ja, aber Strahd musste spüren, dass der legendäre Vampirjäger Dr. Rudolph van Richten in seinem Land zugegen war und er durfte seine Deckung niemals leichtfertig aufgeben.